Institut Onken - Newsletter Nr. 02,  Mai 2006
Onken Homepage
 
 Lerntipp 2:  Mentales Einstimmen

Im letzten Lerntipp haben wir betont, dass Freude, Interesse, ja Begeisterung am Lerngegenstand, das Lernen leicht und gleichzeitig erfolgreich macht. Umgekehrt ist eine negative Einstellung zum Lerngegenstand pures Gift für das Lernen.

Bevor Sie also etwas Neues lernen, sollten Sie sich auf das Lernen einstimmen.

Auf die Vorbereitung kommt es an

Wenn Sie jemanden zum Essen einladen, dann bereiten Sie auch alles liebevoll vor. Sie räumen Ihre Wohnung auf, dekorieren den Tisch, kochen etwas Feines, bieten einen Aperitif an. All das tun Sie, um Ihre Gäste zu erfreuen, sie in gute Stimmung zu versetzen und mit ihnen einen schönen Abend zu verbringen.

Beim Lernen sollten Sie ebenso aktiv werden, um sich selbst in eine gute Lernstimmung zu versetzen. Je besser Sie sich auf eine Lernphase vorbereiten und einstimmen, umso leichter und erfolgreicher wird sie verlaufen.

Engagement - der Schlüssel zum Lernerfolg

Die Harvard-Forscherin Ellen Langer hat seit den 1970er Jahren sehr viele aufschlussreiche Lernexperimente durchgeführt. Eine bedeutsame Erkenntnis ihrer Forschung ist: Je grösser das persönliche Engagement beim Lernen, je aktiver die Rolle, die wir beim Lernen einnehmen, umso grösser ist der Lernerfolg.
Und umgekehrt: Je passiver wir lernen, umso weniger bleibt haften, umso enttäuschender der Lernerfolg.

Übernehmen Sie das Steuer

Wollen Sie Ihr Lernverhalten wirklich verbessern? Gut! Dann fangen Sie am besten an einer Stelle an, über die Sie die Kontrolle besitzen und das sind Sie selbst. Alle unsere Lerntipps in dieser Serie, sollen Ihnen helfen, Ihr eigenes Lernverhalten zu optimieren. Sie unterstützen Sie darin, eine aktive, selbstverantwortliche Rolle beim Lernen einzunehmen.

Das Einstimmen auf eine Lernphase gehört zu den Aktivitäten, die Sie selbst im Griff haben. Betrachten wir zwei Lernsituationen und was Sie alles tun können, um das Lernen zu begünstigen.

1. Sie lernen zu Hause mit einem Lehrtext oder am PC. Sorgen Sie für eine angenehme und freundliche Lernumgebung. Ja, auch solche „Äusserlichkeiten“ können das Lernen fördern. Achten Sie auf gutes Licht und eine tadellose Qualität Ihres Bildschirms, sowie auf einen bequemen Stuhl. Ein aufgeräumter Schreibtisch kann Ihre Kreativität anregen. Wählen Sie ein ruhiges Zimmer und bitten Sie Ihre Mitbewohner, Sie nicht zu stören. Kurz: Arrangieren Sie alles so, dass die Lernumgebung Sie zum Lernen geradezu beflügelt.

2. Sie besuchen ein Seminar, eine Präsentation oder einen Kurs. In dieser Lernsituation haben Sie meistens etwas weniger Freiheiten, die Lernumgebung nach Ihren eigenen Wünschen umzugestalten. Nutzen Sie jedoch die Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten. Packen Sie Ihre Mappe sorgfältig mit Unterlagen, Notizpapier, Stiften usw. Wählen Sie im Schulungsraum einen für Sie optimalen Platz: guter Blick auf die Leinwand; nahe genug, um alles ohne Anstrengung zu sehen und zu hören. Scheuen Sie sich nicht – auch wenn Sie zu spät kommen – nach vorne zu gehen und den besten noch verfügbaren Platz zu wählen. Es ist Ihre Zeit! Optimieren Sie Ihr Lernumfeld so gut es geht.

Diese beiden Lernsituationen sollen Ihnen zeigen, dass Sie eine ganze Menge dazu beitragen können, sich in eine gute Lernstimmung zu bringen.

Involvieren Sie sich

Ebenso wichtig wie ein lernfreundliches Umfeld ist das innere, mentale Einstimmen auf den bevorstehenden Lernprozess. Zeigen Sie auch hier persönliches Engagement. Die Amerikaner benützen dafür das Wort involvement, was so viel wie „Verwicklung“ heisst. Beim mentalen Einstimmen geht es darum, die passive Lernrolle fallen zu lassen und sich aktiv mit dem Lernziel zu beschäftigen, sich mit ihm vertraut zu machen.

Wie „verwickeln“ Sie sich mit dem Lernstoff? Hier einige Tricks: Schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis an, lesen Sie die Bildunterschriften, lesen Sie die Kapitelüberschriften, notieren Sie sich alle Begriffe, die neu für Sie sind. Lesen Sie sich die Begriffe laut vor. Stellen Sie sich Fragen dazu. Versuchen Sie selbst eine Definition der Begriffe zu geben; dabei dürfen Sie ruhig lustige oder kauzige Definitionen erfinden. Assoziieren Sie frei zu den Begriffen. Wandeln Sie Kapitelüberschriften in Fragen um. Überlegen Sie sich, wie Sie das Gelernte in Zukunft einsetzen könnten, wo und wie es Ihnen nützlich sein wird.

Bei einem Seminar gehen Sie gleich vor. Verwenden Sie einfach die Kursbeschreibung oder eventuell schon ausgehändigte Unterlagen als Leitfaden.

Nutzen Sie bei Kursen oder Präsentationen auch die Pausen, um Ihr Interesse zu beleben. Sprechen Sie die Teilnehmer an, auch solche die Sie nicht kennen. Verkrümeln Sie sich nicht mit einem Sandwich in einer Ecke. Nehmen Sie Kontakt auf, erkundigen Sie sich, was andere über den Lerngegenstand denken, wo sie die Vor- und Nachteile sehen, wie sie das Gelernte anzuwenden gedenken. Durch solche Gespräche vertiefen Sie Ihr persönliches Engagement.

Schlüssel zum Lernerfolg: persönliches Engagement

Wenn Sie sich auf diese oder ähnliche Weise mit dem Lerngegenstand, mit den neuen Begriffen innerlich auseinandersetzen, werden Sie den Lerntext oder das Vorgetragene mit grösserer innerer Anteilnahme aufnehmen. Viele der Begriffe werden Ihnen schon vertraut sein und Sie sind gespannt, endlich ihre Bedeutung zu erfahren. Sie werden vielleicht lächeln, wenn Ihre selbst erfundenen Definitionen völlig daneben oder sogar fast zutreffend waren.

Sie werden staunen, wie intensiv sich das mentale Einstimmen auf die nachfolgende Lernphase auswirkt. Probieren Sie es aus. Gewöhnen Sie sich an, eine selbstverantwortliche aktive engagierte Rolle beim Lernen einzunehmen. Ihr Lernergebnis wird sich spürbar verbessern.

Merken Sie sich die Erfolgsformel: Verlassen Sie beim Lernen die ausgetretenen Pfade der Passivität. Bekennen Sie Farbe: Lernen Sie aktiv und engagiert.

Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für leichtes und erfolgreiches Lernen gehören: Begeisterung für den Lerngegenstand, eine aktive Rolle beim Lernen und persönliches Engagement. Alle diese Faktoren werden beim mentalen Einstimmen auf eine bevorstehende Lernphase benötigt und gleichzeitig gefördert. 

 
 
Home Aktuelles Kurse Kontakt Wir über uns