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Im
letzten Lerntipp haben wir betont, dass Freude,
Interesse, ja Begeisterung am Lerngegenstand, das Lernen
leicht und gleichzeitig erfolgreich macht. Umgekehrt ist
eine negative Einstellung zum Lerngegenstand pures Gift
für das Lernen.
Bevor Sie also etwas Neues lernen, sollten Sie sich auf
das Lernen einstimmen.
Auf
die Vorbereitung kommt es an
Wenn
Sie jemanden zum Essen einladen, dann bereiten Sie auch
alles liebevoll vor. Sie räumen Ihre Wohnung auf,
dekorieren den Tisch, kochen etwas Feines, bieten einen
Aperitif an. All das tun Sie, um Ihre Gäste zu
erfreuen, sie in gute Stimmung zu versetzen und mit
ihnen einen schönen Abend zu verbringen.
Beim Lernen sollten Sie ebenso aktiv werden, um sich
selbst in eine gute Lernstimmung zu versetzen. Je besser
Sie sich auf eine Lernphase vorbereiten und einstimmen,
umso leichter und erfolgreicher wird sie verlaufen.
Engagement
- der Schlüssel zum Lernerfolg
Die
Harvard-Forscherin Ellen Langer hat seit den 1970er
Jahren sehr viele aufschlussreiche Lernexperimente
durchgeführt. Eine bedeutsame Erkenntnis ihrer
Forschung ist: Je grösser das persönliche Engagement
beim Lernen, je aktiver die Rolle, die wir beim Lernen
einnehmen, umso grösser ist der Lernerfolg.
Und
umgekehrt: Je passiver wir lernen, umso weniger bleibt
haften, umso enttäuschender der Lernerfolg.
Übernehmen
Sie das Steuer
Wollen
Sie Ihr Lernverhalten wirklich verbessern? Gut! Dann
fangen Sie am besten an einer Stelle an, über die Sie
die Kontrolle besitzen und das sind Sie selbst. Alle
unsere Lerntipps in dieser Serie, sollen Ihnen helfen,
Ihr eigenes Lernverhalten zu optimieren. Sie unterstützen
Sie darin, eine aktive, selbstverantwortliche Rolle beim
Lernen einzunehmen.
Das Einstimmen auf eine Lernphase gehört zu den Aktivitäten,
die Sie selbst im Griff haben. Betrachten wir zwei
Lernsituationen und was Sie alles tun können, um das
Lernen zu begünstigen.
1. Sie lernen zu Hause mit einem Lehrtext oder am PC.
Sorgen Sie für eine angenehme und freundliche
Lernumgebung. Ja, auch solche „Äusserlichkeiten“ können
das Lernen fördern. Achten Sie auf gutes Licht und eine
tadellose Qualität Ihres Bildschirms, sowie auf einen
bequemen Stuhl. Ein aufgeräumter Schreibtisch kann Ihre
Kreativität anregen. Wählen Sie ein ruhiges Zimmer und
bitten Sie Ihre Mitbewohner, Sie nicht zu stören. Kurz:
Arrangieren Sie alles so, dass die Lernumgebung Sie zum
Lernen geradezu beflügelt.
2. Sie besuchen ein Seminar, eine Präsentation oder
einen Kurs. In dieser Lernsituation haben Sie meistens
etwas weniger Freiheiten, die Lernumgebung nach Ihren
eigenen Wünschen umzugestalten. Nutzen Sie jedoch die Möglichkeiten,
die sich Ihnen bieten. Packen Sie Ihre Mappe sorgfältig
mit Unterlagen, Notizpapier, Stiften usw. Wählen Sie im
Schulungsraum einen für Sie optimalen Platz: guter
Blick auf die Leinwand; nahe genug, um alles ohne
Anstrengung zu sehen und zu hören. Scheuen Sie sich
nicht – auch wenn Sie zu spät kommen – nach vorne
zu gehen und den besten noch verfügbaren Platz zu wählen.
Es ist Ihre Zeit! Optimieren Sie Ihr Lernumfeld so gut
es geht.
Diese beiden Lernsituationen sollen Ihnen zeigen, dass
Sie eine ganze Menge dazu beitragen können, sich in
eine gute Lernstimmung zu bringen.
Involvieren
Sie sich
Ebenso
wichtig wie ein lernfreundliches Umfeld ist das innere,
mentale Einstimmen auf den bevorstehenden Lernprozess. Zeigen Sie auch
hier persönliches Engagement. Die Amerikaner benützen
dafür das Wort involvement,
was so viel wie „Verwicklung“ heisst. Beim mentalen
Einstimmen geht es darum, die passive Lernrolle fallen
zu lassen und sich aktiv mit dem Lernziel zu beschäftigen,
sich mit ihm vertraut zu machen.
Wie „verwickeln“ Sie sich mit dem Lernstoff? Hier
einige Tricks: Schauen Sie sich das Inhaltsverzeichnis
an, lesen Sie die Bildunterschriften, lesen Sie die
Kapitelüberschriften, notieren Sie sich alle Begriffe,
die neu für Sie sind. Lesen Sie sich die Begriffe laut
vor. Stellen Sie sich Fragen dazu. Versuchen Sie selbst
eine Definition der Begriffe zu geben; dabei dürfen Sie
ruhig lustige oder kauzige Definitionen erfinden.
Assoziieren Sie frei zu den Begriffen. Wandeln Sie
Kapitelüberschriften in Fragen um. Überlegen Sie sich,
wie Sie das Gelernte in Zukunft einsetzen könnten, wo
und wie es
Ihnen nützlich sein wird.
Bei einem Seminar gehen Sie gleich vor. Verwenden
Sie einfach die Kursbeschreibung oder eventuell schon
ausgehändigte Unterlagen als Leitfaden.
Nutzen Sie bei Kursen oder Präsentationen auch die
Pausen, um Ihr Interesse zu beleben. Sprechen Sie die
Teilnehmer an, auch solche die Sie nicht kennen. Verkrümeln
Sie sich nicht mit einem Sandwich in einer Ecke. Nehmen
Sie Kontakt auf, erkundigen Sie sich, was andere über
den Lerngegenstand denken, wo sie die Vor- und Nachteile
sehen, wie sie das Gelernte anzuwenden gedenken. Durch
solche Gespräche vertiefen Sie Ihr persönliches
Engagement.
Schlüssel
zum Lernerfolg: persönliches Engagement
Wenn
Sie sich auf diese oder ähnliche Weise mit dem
Lerngegenstand, mit den neuen Begriffen innerlich
auseinandersetzen, werden Sie den Lerntext oder das
Vorgetragene mit grösserer innerer Anteilnahme
aufnehmen. Viele der Begriffe werden Ihnen schon
vertraut sein und Sie sind gespannt, endlich ihre
Bedeutung zu erfahren. Sie werden vielleicht lächeln,
wenn Ihre selbst erfundenen Definitionen völlig daneben
oder sogar fast zutreffend waren.
Sie werden staunen, wie intensiv sich das mentale
Einstimmen auf die nachfolgende Lernphase auswirkt.
Probieren Sie es aus. Gewöhnen Sie sich an, eine
selbstverantwortliche aktive engagierte Rolle beim
Lernen einzunehmen. Ihr Lernergebnis wird sich spürbar
verbessern.
Merken Sie sich die Erfolgsformel: Verlassen Sie beim
Lernen die ausgetretenen Pfade der Passivität. Bekennen
Sie Farbe: Lernen
Sie aktiv und engagiert.
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